Gratis-Stadtführer, aber bitte in grün!

“Put down that map and get wonderfully lost” – ach, wie oft habe ich mich an diesen Spruch gehalten!? Und wie oft bin ich genau dadurch beim Spazieren durch eine fremde, neue Stadt auf die genialsten Plätze, die schönsten Wege, die herrlichsten Lokale gestoßen?! Genauso oft wohl wie ich meine Abneigung Plänen und dem Planlesen gegenüber verfluchte habe, weil ich – wieder einmal – irgendwo war und natürlich nicht gewusst habe, wo ich Bio-Kost bekomme oder nachhaltige Souvenirs für meine Lieben erstehen kann. Aber das soll jetzt ein Ende haben: Denn, wenn schon Plan, denn schon … grüner Plan!

“Wir haben einen grünen Stadtführer für Köln heraus gegeben.” Ausgelöst durch diesen Tweet der deutschen Plattform Utopia habe ich mich auf die Suche gemacht nach Gratis-Stadt- und Einkaufsführern, die zu ökologischen Projekten, Bio-Lokalen, Geschäften mit fair-produzierten Produkten und anderen nachhaltigen Initiativen leiten.

Das Ergebnis: Es gibt im deutschsprachigen Raum zwar einige gute Führer für Einzelbereiche (z.B. Auflistungen von Bio-Hotels, Bio-Restaurants, …), Online-Datenbanken und – natürlich – kostenpflichte Print-City-Guides, aber in Sachen umfassende grüne gratis-Stadtführer habe ich leider kaum etwas gefunden. Statt einer langen Endlos-Liste kann ich nur zwei Initiativen vorstellen – aber immerhin:

Deutschland:

Neben dem grünen Stadtführer für Köln, der unter anderem vom Nachhaltigkeitsblog Faktor N geprüft und für gut befunden wurde, gibt es Utopia-Pläne für weitere drei Städte – Hamburg, Berlin und München. 

Darin werden Adressen aufgelistet, die mit Produkten handeln, diese verwenden oder herstellen, die

  • biologisch (nach dem Mindeststandard der EG-Öko-Verordnung), ökologisch und verantwortungsbewusst erzeugt werden.
  • natürlich, nachhaltig und effizient erzeugt werden (mind. 1 Kriterium sollte erfüllt sein: umweltschonende Rohstoff-Nutzung, nachhaltige Forstwirtschaft, Recycling, CO2-sparend/ CO2-neutral).
  • fair erzeugt werden (mind. 1 Kriterium sollte erfüllt sein: Fairer Handel, humane Arbeitsbedingungen, soziale Projekte).
Neuauflagen der bestehenden Stadtführer sind übrigens für 2013 geplant, und möglicherweise gibt es dann auch Guides zu weiteren Städten wie Stuttgart oder Leipzig, wie mir die Projektzuständige Maria Hahn verraten hat.

Österreich:  

Als Beinah-Wienerin bin ich richtig froh, dass sich nachhaltige ShopperInnen und KonsumentInnen auch in der österreichischen Hauptstadt nach einem grünen Plan orientieren können. Nicht ganz so umfassend wie die Utopia-Maps, aber mit den Bereichen faire Mode und Bio-Lebensmittel doch weitreichender als viele andere Pläne.

Unter dem Namen Die Sicherheitsnadel haben sich nämlich sechs Wienerinnen ehrenamtlich die Mühe gemacht, einen “Guide für Sustainable Fashion & Food” zusammenzustellen. Unter Schirmherrschaft zahlreicher Organisationen und in inhaltlicher Partnerschaft mit die umweltberatungClean Clothes Kampagne (CCK) und Bewusstkaufen.at haben sie einen Folder und dazugehörigen Stadtplan mit nachhaltigen modischen Produkten sowie bio-fairen Gastronomiebetrieben in der Umgebung erarbeitet. Hochachtung, was dabei herausgekommen ist! Für alle, die sich nicht nur auf die Bewertungs-Icons der Sicherheitsnadel verlassen möchten, gibt es auf der Website auch Informationen zu den gängigsten Zertifikaten, die den nachhaltigen Shopper interessieren könnten.

Sowohl Utopia als auch Die Sicherheitsnadel richten sich vor allem an Einheimische, aber für nachhaltig orientierte StädtetouristInnen können die Guides ebenso nützlich sein. Es werden U-Bahn-Stationen und die Hauptattraktionen wie Kirchen, Museen in den jeweiligen Bezirken aufgelistet. Im Utopia-Köln-Stadtguide gibt es zusätzlich eine Liste der 10 Lieblingsplätze für den Sommer.

Von offiziellen Ämtern oder den Tourismusstellen der Städte scheint es übrigens in Richtung “grüner Stadtplan” noch nichts zu geben. Nicht, dass ich nicht gefragt hätte: Aber die wenigsten österreichischen Landeshauptstädte und keine der angeschriebenen Schweizer Cities haben auf meine Anfrage überhaupt geantwortet. Nur in Graz hat mich das Umweltamt der Stadt Graz an den Grazer Sta(d)ttplan, eine Auflistung nachhaltiger Möglichkeiten, verwiesen und angekündigt, dass ein “grüner Stadtplan” angedacht ist. Einen ähnlichen Plan haben die Grünen in Linz mit einer “Broschüre über ökologischen Einkauf”. Ob Beides gratis ist oder welche Bereiche sie genau umfassen sollen, das konnte man mir nicht verraten.

Nein, allzu groß ist das Angebot an nachhaltiger Orientierung im deutschsprachigen Raum wirklich – noch?! – nicht…

Kennt Ihr andere Öko-Stadtpläne oder grüne Führer im deutschsprachigen Raum? Ich freue mich über Ergänzungen, Hinweise, Inputs und Feedback! 

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